Nur gemeinsam sind wir stark!!
RSB-Präsident Jürgen Treppmann: „Wir wollen dem eigenen Anspruch an Qualität gerecht werden“
Im Interview für das RSB-Journal gibt der frisch wiedergewählte RSB-Präsident Jürgen Treppmann Einblicke hinter die Kulissen der Arbeit des Präsidiums und erklärt die Verbandsaufgaben für die nächsten Jahre. Dabei wird deutlich: Der Rheinische Schützenbund ist auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht am Ziel.
RSB: Hallo Jürgen, erst einmal Gratulation zu deiner Wiederwahl zum Präsidenten des Rheinischen Schützenbundes. Wie hast du die Mitgliederversammlung am 23. November 2025 in Ransbach-Baumbach erlebt?
Jürgen Treppmann: Vielen Dank für die Glückwünsche! Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass mir die Versammlung einstimmig ihr Vertrauen ausgesprochen hat. Insgesamt fand ich die Mitgliederversammlung, trotz kontroverser Diskussionen zur Beitragsanpassung, harmonisch, konstruktiv und zielführend.
Das Präsidium des Rheinischen Schützenbundes dankt für das Vertrauen und nimmt sich der anstehenden Aufgaben für die kommenden Jahre an.
RSB: Bei deinem Amtsantritt 2023 hast du dir einige Ziele vorgenommen, die du mit dem RSB erreichen möchtest. Themen waren unter anderem das Zusammenrücken innerhalb des Verbandes, die Ausweitung der Zusammenarbeit mit anderen Verbänden sowie die Einrichtung eines Ehrenamtskonzeptes und die Förderung der Digitalisierung bzw. Öffentlichkeitsarbeit. Welches Zwischenfazit ziehst du nach den ersten zwei Jahren?
Jürgen Treppmann: Nach meinem Amtsantritt vor 2 Jahren haben wir gemeinsam, also Präsidium und die Mitarbeiter der Geschäftsstelle, begonnen, an der Umsetzung der Ziele zu arbeiten. Dabei ist festzustellen, dass hier eine gewisse Dynamik eingesetzt hat, die uns in dieser doch relativ kurzen Zeit weit nach vorne gebracht hat. So haben wir die Öffentlichkeitsarbeit mit neuer Webseite, den Social Media Kanälen Facebook, Instagram und YouTube auf eine völlig andere Basis gestellt. Die Zusammenarbeit im Präsidium und in der Geschäftsstelle klappt harmonisch, reibungslos und nach außen hin transparent. Wir sind für unsere Vereine und Mitglieder da. Mit entsprechenden Kooperationsverträgen, die mittlerweile mit Leben erfüllt sind, haben wir ein erfreuliches Miteinander mit dem Oberbergischen Schützenbund und dem Fachverband Sportschießen Rheinland erreicht. Auf Bundesebene ist der RSB aus dem Kanon der Landesverbände nicht mehr wegzudenken. Und nicht zuletzt ist es gelungen, eine Koordinatorin für das Ehrenamt zu gewinnen.
RSB: Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde eine gestaffelte Beitragsanpassung ab 2026 bzw. 2027 beschlossen. Warum war dieser Schritt notwendig?
Jürgen Treppmann: Die geplante Beitragsanpassung wäre in der zunächst vorgesehenen Höhe von 3,50 € für uns wichtig gewesen. Selbstverständlich kann auch ich die Argumente aller betroffenen Vereine verstehen und auch nachvollziehen, dass in der kurzen Zeit, bis Januar 2026, Schwierigkeiten bestehen, dies auch entsprechend in den Vereinen umzusetzen. Daher bin ich davon überzeugt, dass wir mit der Staffelung einen für alle tragbaren Kompromiss gefunden haben.
Bei der RSB-Mitgliederversammlung verspricht Präsident Jürgen Treppmann, weiterhin ein offenes Ohr für die Anliegen der Schützinnen und Schützen zu haben.
RSB: Nach deiner Wiederwahl: Woran muss noch gearbeitet werden und welche Ziele hast du dir für die nächsten vier Jahre gesetzt?
Jürgen Treppmann: Bekanntlich bedeutet Stillstand, damit meine ich, sich auf dem Erreichten ausruhen, nur Rückschritt. Wir müssen weiter nach vorne schauen. Dazu gehört m. E. auch den Vereinen und unseren Mitgliedern zu verdeutlichen, dass es einen stetig und kontinuierlich steigenden Finanzbedarf gibt, so dass es mit der jetzt beschlossen Beitragsanpassung in Zukunft auch weitere, wenn möglich moderate, Anpassungen geben muss. Wir haben, was die Leistungen unseres Verbandes angeht, auch einen eigenen Anspruch an die Qualität. Dem müssen und wollen wir auch gerecht werden und daher werden weiterhin mitunter auch weiter anwachsende Finanzmittel benötigt. Des Weiteren möchte ich mit euch allen gemeinsam eine tragfähige Strukturreform angehen. Entsprechende Vorschläge werden im AK Zukunft des Verbandes erarbeitet und danach transparent kommuniziert, bevor sie beschlossen werden. In diesem Zusammenhang darf das Ehrenamt, gerade hier die Nachbesetzung von Funktionsstellen in den Vereinen, Kreisen und Bezirken nicht aus dem Fokus fallen. Daher ist es auch mein Ziel, den eingeführten Ehrenamtskoordinator als Unterstützungsfunktion für die Gremien weiter zu etablieren.
Die Mitgliederversammlung hat in den vorgetragenen Beiträgen deutlich gezeigt, dass wir große Defizite im Bereich des Sports und hier insbesondere in der Finanzausstattung unserer jungen Leistungssportler haben. Wir müssen Mittel und Wege finden, um auch hier deutlich nachbessern zu können. Natürlich ist mir auch klar, dass das nicht einfach wird. Die Digitalisierung zur Vereinfachung der Geschäftsabläufe und Kostenersparnis muss zwingend fortgeführt werden. Shop-System und Sponsoring sollen in unser aller Interesse weiter ausgebaut werden. Wie ihr seht, haben wir einen riesigen Berg von Aufgaben zu bewältigen – aber – ich bin überzeugt davon, dass das, was wir in den letzten beiden Jahren begonnen haben, in meiner neuen Amtszeit erfolgreich weitergeführt werden kann.
RSB: Neben dir sind auch weitere Präsidiumsmitglieder in ihrem jeweiligen Amt wiedergewählt worden. Ein Zeichen, dass unsere Mitglieder dem Präsidium vertrauen? Was macht die Zusammensetzung des RSB-Präsidiums aus und wie beurteilst du eure Arbeit?
Jürgen Treppmann: Nach meinem Amtsantritt im Jahr 2023 habe ich großen Wert darauf gelegt, den Frauenanteil im Präsidium zu erhöhen und, soweit möglich, den Altersdurchschnitt zu senken. Das ist mir soweit auch gelungen. Nur darf man hier nicht außer Acht lassen, dass wir im Ehrenamt arbeiten und eben in vielen Fällen noch einem Beruf nachgehen. Die dabei vorhandenen zeitlichen Begrenzungen kann und darf man nicht außer Acht lassen. Alle zur Wiederwahl stehenden Präsidiumsmitglieder sind mit einem einstimmigen Votum gewählt worden. Das spricht doch wohl, was das Vertrauen der Mitglieder angeht, für sich! Auch wenn wir einmal im Präsidium unterschiedlicher Meinung sind – und das ist auch gut so – haben wir immer Lösungen gefunden und zielführend die anstehenden Probleme gemeinsam gelöst. Mir macht die Arbeit in diesem Team sehr viel Freude und ich bin froh und dankbar, dass im Vorfeld alle zur Wahl stehenden Präsidiumsmitglieder auch mir ihr Vertrauen geschenkt haben, um mit mir in eine weitere Amtszeit zu gehen.
RSB: Du legst zudem sehr viel Wert auf die Zusammenarbeit mit den anderen Landesverbänden sowie mit dem Deutschen Schützenbund. Inwiefern hat sich die gemeinsame Arbeit während deiner Amtszeit verändert? Gibt es Zukunftsprojekte, an denen die Verbände demnächst arbeiten werden?
Jürgen Treppmann: Nur gemeinsam sind wir stark!! Seit meinem Amtsantritt habe ich mich sehr in die gemeinsame Arbeit mit den Landesverbänden und dem Deutschen Schützenbund eingebracht. Das ist für unseren Verband auch sehr wichtig und gut. Nur gemeinsam konnten wir Veränderungen, und das ist ja noch nicht ausgestanden, zu unseren Gunsten im Waffenrecht erreichen. Wir haben gemeinsam mit dem Deutschen Schützenbund einen erheblichen Anteil an der wesentlichen Rücknahme des Bleiverbots. Wir haben über unseren EU-Abgeordneten Dr. Peter Liese den Zugang zu den Gremien, zuständig für das Bleiverbotsverfahren in der EU, ermöglicht. Als Vertreter unseres Verbandes habe ich durch diese erreichte Konstellation oft die Möglichkeit, vor der Politik vorzutragen und insbesondere auch unsere Interessen zu vertreten. So wie es aktuell in NRW aussieht, wird unser Vorschlag, den Vereinen die GEMA-Gebühren für Veranstaltungen ohne Gewinnerzielungsabsicht zu erlassen, wohl politisch umgesetzt werden. Ein ganz großes gemeinsames Projekt ist die Erstellung einer für alle DSB-Verbände einheitlichen Sportsoftware, die es Vereinen, Kreisen, Bezirken und auf Landes- und Bundesebene erlaubt, mit einer einzigen Software kompatibel zu arbeiten. Auch in dieser DSB-Arbeitsgruppe sind wir durch unseren Landessportleiter vertreten.
RSB: Während der Mitgliederversammlung wurde geäußert, dass der Sport und insbesondere die Nachwuchsförderung im RSB mehr Hilfe braucht. Was kann der RSB in Zukunft besser machen bzw. wo können wir noch mehr unterstützen?
Jürgen Treppmann: Leider wurde von Seiten der Politik nur in wenigen Bereichen die Sportfördermittel auch in den Jahren 2025 und 2026 angehoben und sogar für das Sportschießen im Leistungssport mangels olympischer Medaillenausbeute gekürzt. Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass wir unsere Nachwuchsförderung neu ausrichten und vor allen Dingen mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausstatten müssen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Wir werden uns dazu im neuen Jahr 2026 zusammensetzen und nach pragmatischen Lösungen suchen. Ein wenig Hoffnung habe ich aber in diesem Bereich auf die möglicherweise von der NRW-Landesregierung zur Verfügung gestellten Millionen, auch für den Sport. Für Rheinland-Pfalz werden wir aber nicht müde werden, auch hier Verbesserungen zu erzielen.
Besonders der Nachwuchs soll besser gefördert werden, um weitere Talente wie Anna Janßen hervorbringen zu können.
RSB: Im kommenden Jahr steht vom 25. bis 27. September 2026 der 68. Rheinische Schützentag in Neuss an. Was dürfen die Schützinnen und Schützen im Rheinland sowie die Gäste aus nah und fern erwarten?
Jürgen Treppmann: Tradition erlebbar machen! Das ist das Motto unseres 68. Rheinischen Schützentags in Neuss. Hier trifft sich die große Schützenfamilie, um dieses Fest gemeinsam zu begehen. Gäste aus nah und fern sind eingeladen, unser großes Fest zu besuchen und mit uns zu feiern. Dieses Fest ist auch ein großes Dankeschön an alle, die sich Jahr für Jahr mit Herzblut und Leidenschaft für den Verein, den Verband und das Schützenwesen einbringen.
Ein Wochenende voller Tradition, Gemeinschaft und unvergesslicher Momente. Die fleißigen Schützen des Bezirks 04 haben unter Federführung unseres Vizepräsidenten Tradition und Brauchtum, Frank Buchholz, ein tolles Programm auf die Beine gestellt. Erwarten können wir neben einem „großen Partyabend“ mit Live-Musik die Schießwettbewerbe zur Ermittlung der neuen Landeskönige, den feierlichen Festakt mit Fahneneinmarsch und Großem Zapfenstreich. Zum Abschluss freuen wir uns am Sonntag auf den Festzug durch Neuss-Holzheim.
Daniel Höfelmanns
Fotos: RSB