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Ruven Flüß: Aus der Sonne Italiens zum Deutschen Meister

„Sah am coolsten aus.“ – Ruven Flüß entschied sich nach einer Zeit des Ausprobierens für den Compoundbogen.

Einfach mal die Seele baumeln lassen und sich vom stressigen Alltag erholen – „La dolce vita“ im Italien-Urlaub lässt die erwachsenen Lebensgeister wieder Kraft tanken. Und was ist mit den Kindern? Am besten im Vorfeld einen Ort mit gutem Animationsprogramm auswählen, denn daraus können Erfolgsgeschichten geschrieben werden.

 

Was vor etwas mehr als zehn Jahren als Freizeitbeschäftigung im Caravan-Camping-Urlaub mit der Familie begann, bezeichnet Ruven Flüß heute mehr oder weniger als sein Leben. Das Bogenschießen hatte ihn gepackt und lässt ihn nicht mehr los. „Direkt nach dem Urlaub haben wir uns in der Heimat nach passenden Vereinen umgeschaut und so bin ich dann beim BSV Eppinghoven gelandet“, so der 19-Jährige, der sich zunächst durch die verschiedenen Bogen-Disziplinen probierte, ehe er letztlich beim Compound landete. „Angefangen hatte ich mit Blankbogen, dann habe ich Recurve geschossen. Mein Trainer war allerdings Compoundschütze und ich fand, dass das am coolsten aussah. Dann haben mir meine Eltern zum Geburtstag einen Comboundbogen geschenkt und seitdem bin ich bei dieser Disziplin geblieben.“

Es folgten einige Jahre des fleißigen Trainings, in denen an der Technik gefeilt und an der Konzentration gearbeitet wurde. Ob Wettkampfsimulation mit Vereinskollegen, oder Einzeltraining – mit der Zeit entwickelte Ruven eine Grundkonstanz in seinen Leistungen, die er heute als eine seiner Stärken bezeichnet. „Selbst an schlechteren Tagen erziele ich konstant gute Ergebnisse und habe wenig Schwankungen in meinen Resultaten. Das ist auch das Feedback, das ich häufig von meinen Trainern bekomme.“ Seinen Durchbruch sollte er dann während der Corona-Zeit erleben. Die durch die damaligen Beschränkungen frei gewordene Zeit investierte Ruven vermehrt in sein Training, es folgten Einladungen zu Ranglistenturnieren und dank guter Leistung letztlich im November 2022 die Berufung in den Bundeskader des Deutschen Schützenbundes.

Der Übergang in den Erwachsenenbereich hat auch dank gutem Teamwork im DSB-Kader gut funktioniert.

Trägt Ruven Flüß die deutschen Farben auch bei den Olympischen Spielen 2028? „Das ist der Traum eines jeden Sportlers.“

Er hatte es also geschafft – noch wenige Monate zuvor blickte Ruven zu Bogensport-Größen wie dem Niederländer Mike Schlösser auf, jetzt steht er neben ihnen an der Schießlinie. „Das ist schon verrückt. Ich fand es immer faszinierend, den Top-Athleten zuzuschauen. Wenn ich mich heute bei nationalen und internationalen Turnieren umschaue, dann denke ich: Jetzt gehöre ich auch dazu und das macht mich stolz.“ Und nicht nur das: Mit dem Erreichen weiterer Ziele steigt beim 19-Jährigen auch das Bewusstsein für Verantwortung. „Genauso wie ich, gibt es natürlich auch nachfolgende Generationen, die nach oben schauen und von den Besten lernen wollen. Ich würde mich sehr freuen, auch Vorbild für neue, junge Bogenschützinnen und -schützen zu sein.“

Auf rund 15 Meisterschaftsteilnahmen kommt Ruven etwa im Jahr, wenn er es schafft, überall dabei zu sein – und das sind „nur“ die offiziellen Turniere auf Verbands-, Bundes- und internationaler Ebene. Hinzu kommen Challenge-Serien wie beispielsweise „Nerves of Steel“ der „Kings of Archery“, die er 2023 gewinnen konnte und niemals vergessen wird. Das Prinzip: Rund 100 Schützen schießen in Richtung einer Stahlplatte mit einem von Runde zu Runde kleiner werdenden Loch. Der Durchmesser in der Finalrunde beträgt lediglich 2cm. Wer nicht trifft, ist raus! „Das war ein mega Erlebnis, auch das Drumherum war einfach gigantisch“, so Flüß, der sich von dem Preisgeld erstmal mit neuem Equipment ausstattete.

Bei diesem Titel soll es aber natürlich nicht bleiben. Zahlreiche Erfolge stehen für Ruven im Jugendbereich zu Buche. Erst kürzlich gewann er beim Youth Cup in der bulgarischen Hauptstadt Sofia gleich drei Medaillen in den U21-Wettbewerben der Compounder – den Übergang in den Erwachsenenbereich bewältigte er ebenfalls bravourös. Im vergangenen Jahr nahm Ruven an der Europameisterschaft in Essen teil und gleich die erste Teilnahme bei den Deutschen Meisterschaften der Herren führte Anfang 2025 zum Gold-Erfolg in der Halle! Das war die Krönung – aus der Sonne Italiens zum Deutschen Meister.

Und bald vielleicht noch mehr? Erst vor kurzem wurde bekannt gegeben, dass neben den Recurvern erstmals auch der Compoundbogen mit einem Mixed-Wettbewerb den Weg zu den Olympischen Spielen finden wird. „Eine sehr gute Entscheidung“, die laut Flüß direkt einen positiven Effekt auf die Sportler losgetreten hat. „Nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt sind die Compounder jetzt viel mehr motiviert zu trainieren. Die Ergebnisse werden plötzlich besser, erst kurz nach der Olympia-Entscheidung wurde der Weltrekord im Mixed-Wettbewerb gebrochen.“ Los Angeles 2028 – spektakulärer geht es kaum. „Olympia ist natürlich der Traum eines jeden Sportlers.“ Für konkrete Planungen sei es allerdings noch zu früh.

Im Mai 2024 nahm Ruven Flüß an der Bogen Heim-EM in Essen teil.

Zahlreiche Meisterschaften konnte Ruven Flüß (m.) im Junioren-Bereich gewinnen.

Beim Youth Cup in Sofia stand Ruven Flüß (r.) im Goldfinale gegen DSB-Kollege Noah Nuber.

Generell ist das Thema Zeit eines, das für Ruven eine wichtige Rolle spielt. Neben sportlichen Verpflichtungen begann er Ende letzten Jahres ein Vollzeit-Bachelorstudium zum Wirtschaftsingenieur in Darmstadt. Fern von der Heimat, aber etwas näher bei seiner Freundin, die in Bayern lebt und die er über das Bogenschießen kennenlernte. „Sie war einer der Gründe, warum ich mich für das Studium für den Standort Darmstadt entschieden habe und nicht in NRW geblieben bin“, sagt er. Aber passt das alles unter einen Hut? Ja, das tut es. Und es bleibt sogar noch Zeit, sich in anderen Disziplinen auszuprobieren. „Im Verein meiner Freundin habe ich mich mal an der Luftpistole versucht. Das hat erstaunlich gut funktioniert.“

Auch sonst probiert sich Ruven sportartenübergreifend gerne mal etwas aus. Erst kürzlich entdeckte er Golf für sich, auch die Dartpfeile werden regelmäßig ausgepackt. Auffällig dabei: Es sind vor allem die Einzelsportarten, die ihn begeistern. „Anders als in Teamsportarten liegt die Entscheidung über Sieg und Niederlage einzig und allein bei mir und das mag ich lieber.“

Die Entscheidung, wo die Reise für Ruven Flüß hinführt, liegt auch bei ihm selbst – sowohl sportlich als auch persönlich. Mit gerade einmal 19 Jahren kann er schon auf viel Erreichtes zurückblicken, hat aber mindestens noch genau so viel vor sich. Vielleicht lassen sich sportliche und private Träume miteinander verwirklichen. „Ich möchte die Welt bereisen. Bisher war ich nur in Europa unterwegs. Mein Ziel ist es, jeden Kontinent zu sehen und mir die verschiedenen Kulturen anzuschauen“, sagt er. Wenn es sportlich auch auf internationaler Ebene weiter so erfolgreich läuft, können zukünftig sicher auch über Europas Grenzen hinaus Haken hinter weitere Destinationen auf der Weltkarte gesetzt werden. Und eines ist sicher: Auf jedem Kontinent gibt es Urlaubsorte mit Animationsprogramm, im besten Fall sogar mit Bogenschießen.

Ruven Flüß: „Mein Ziel ist es, jeden Kontinent zu sehen.“

Entweder – oder

Um noch ein bisschen mehr über Ruven zu erfahren und ihn kennenzulernen, hat er uns nachfolgend zehn kleine Entweder-oder-Fragen beantwortet, bei denen er sich für eine der beiden Antwortmöglichkeiten entscheiden musste.

  • Sommer oder Winter?

    Sommer

  • Pizza oder Burger?

    Burger

  • Film oder Serie?

    Film

  • Nachteule oder Frühaufsteher?

    Nachteule

  • Strandurlaub oder Städtetrip?

    Strandurlaub

  • Hund oder Katze?

    Hund

  • Ordnung oder Chaos?

    Chaos

  • Musik oder Podcast?

    Musik

  • Unsichtbar sein oder Gedanken lesen?

    Gedanken lesen

  • Logik oder Bauchgefühl?

    Bauchgefühl

Daniel Höfelmanns
Fotos: WAE, Daniel Höfelmanns, DSB

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